Spagyrik

Naturheilkunde - Spagyrik

Naturheilkunde bezeichnet ein Spektrum verschiedener Methoden, die die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung aktivieren sollen und die sich bevorzugt in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen (die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge)

Die Naturheilkunde zählt heute größtenteils zum Bereich der Alternativmedizin. Als ein wichtiger Pionier gilt der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland.

zu den Methoden zählen:

· Ölkur
· Moxen
· Ausleitungsverfahren
· Schröpfen
· Spagyrik
· Isopathie
· Schrothkur

 



Die Spagyrik wird zur Naturheilkunde gezählt und die Homöopathie zur Alternativmedizin. Obwohl einige spagyrische Verfahren in standardisierter Form in das amtliche Homöopathische Arzneibuch (HAB) übernommen wurden bestehen keine Gemeinsamkeiten, die beiden Lehren befinden sich sogar in direktem Widerspruch. Während die Homöopathie versucht, den Körper mittels Informationen, die in eine neutrale Vehikelsubstanz imprägniert sind, nach dem Ähnlichkeitsprinzip zu einer heilenden Selbstregulation anzuregen, setzt die Spagyrik auf stoffliche und energetische Mechanismen. Dabei sind die Wirkstoffe gar nicht oder nur wenig verdünnt. Die Spagyrik versucht im Gegensatz zur Homöopathie immer ein energetisches Defizit aufzufüllen.
 



Die Wirkung spagyrischer Zubereitungen basiert auf der Trias der philosophischen Prinzipien: der spezifischen stofflichen Basis, der Heilkraft und der indikationsspezifischen Ausrichtung (der Heilkraft). Die Wirksamkeit der spagyrischen Arzneimittel ist aus schulmedizinischer Sicht nicht wissenschaftlich nachgewiesen, da es noch keinerlei klinische Studien mit echten spagyrischen Präparaten gab. Es gibt jedoch eine Vielzahl von praktischen Therapeuten, die damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben und ihnen eine gute Wirksamkeit nachsagen. Wie homöopathische Arzneimittel werden Spagyrika nicht zugelassen (mit Indikation) sondern nur registriert (ohne Indikation), wenn kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.
 



Spagyrik oder Spagirik (Griechisch spao = "trennen" und ageiro = "vereinigen, zusammenführen") ist ein Begriff aus der Alchemie oder Alchymie. Er bezeichnet eine besondere Therapierichtung, die alchemistische Erkenntnisse in der Heilkunde umsetzt. Die Spagyrik ist der therapeutische Teil der Alchemie. Die Alchymie oder besser gesagt die Alchemie hat eine eigene Sicht des Menschen. Der Mensch umfasst nach alchemistischer Sicht nicht nur die Physis, sondern auch ein Vital, eine Seele und einen Geist. Die Alchemie ist Philosophie im alten Sinn, der Alchemist wird auch als der Philosoph bezeichnet. Der Begriff Philosoph wird dabei aber anders als im heutigen Sprachgebrauch verwendet. In die heutige Sprache übertragen wäre der alchemistische Philosoph der Naturphilosoph. Im Gegensatz dazu ist die Alchemie eher der Vorläufer der modernen Chemie; der Bergriff Alchemie ist erst sehr spät entstanden.
 



Die Alchemie ist in vorgeschichtlichen Zeiten entstanden. Die ältesten Hinweise auf eine Existenz der Alchemie findet man in China, Indien und Ägypten. Der bekannteste europäische Alchemist und Spagyriker war Paracelsus. Die paracelsischen Schriften führten im 17. Jahrhundert zum Bekanntwerden der Alchemie in damaligen schulmedizinischen Kreisen. Damit entstand aber auch eine Degeneration der Alchemie. Der nichtmedizinische Teil der Alchemie wurde von da an fast ausschließlich mit der künstlichen Herstellung von Gold assoziiert. Der medizinische Teil wurde von Geschäftemachern, Scharlatanen und Jahrmarktsheilern in Verruf gebracht. Johann Rudolph Glauber (1604-1670) verfasste 1654 eine Pharmacopoea spagyrica, die eine Anleitung zur Herstellung von Heilmittel enthielt. Die Pharmacopoea spagyrica enthielt neben wenigen spagyrischen Anleitungen auch solche zur Herstellung von chemisch definierten Arzneimitteln. Mit Glauber verschwand auch die ältere naturphilosophische Erkenntnis der Alchemie. Die Folge war die Konzentration auf Wirksubstanzen, das Entstehen der Alchemie und die darauf folgende Entstehung der modernen Pharmazie.

Im 19. Jahrhundert entwickelte der Italiener Cesare Mattei (1809 - 1896) ein Verfahren der Heilmittelgewinnung, das spagyrische Grundzüge trug und von ihm als "Elektrohomöopathie" bezeichnet wurde. Er gewann rasch Anhänger für seine Methode, nicht nur in Italien sondern auch in Deutschland. Der deutsche Arzt Carl-Friedrich Zimpel (1801 - 1879) entwarf durch Mattei inspiriert 1870 ein eigenes spagyrisches Heilsystem, dessen Arzneimittel er später von einer Göppinger Apotheke herstellen ließ. Das Verfahren, das aber im gegenwärtigen amtlichen Homöopathische Arzneibuch (HAB) nach Zimpel benannt ist, wurde von ihm nie angewandt. Im Gegensatz zum HAB-Verfahren "spag. Zimpel", das zu einer sogenannten Essenz führt, war das originale Zimpel-Verfahren eine Methode zur Herstellung von Tinkturen. Das HAB-"Zimpel-Verfahren" fußt auf spagyrischen Vorgaben der Pharmacopoea spagyrica von Glauber.

Im 20. Jahrhundert wurde nach dem Tode Matteis Theodor Krauß (1864 - 1924) zur führenden Persönlichkeit unter den Anhängern der "Elektrohomöopathie". Alexander von Bernus (1880 - 1965), Schriftsteller und Alchemist, gründete ein Labor, in dem er zusammen mit Conrad Johann Glückselig eigene Spagyrika nach der Methode von Bernus, die anthroposophisches Gedankengut Rudolf Steiners mit einbezog, herstellen ließ. Weitere Labore zur Herstellung von spagyrischen Arzneimitteln entstanden im 20. Jahrhundert.. Die Verfahren nach Zimpel, Krauß und Glückselig fanden Eingang im amtlichen Homöopathischen Arzneibuch (HAB).
 



Eine besondere Bedeutung hat die klassisch-alchemistisch Philosophie für die Arzneimittelherstellung. Durch bestimmte Verfahren wie Mazeration, Digestion, Calcination, Reverberation, Zirkulation (Rotation), Extraktion, Destillation bzw. Sublimation oder Konjugation soll die Heilkraft der Ausgangssubstanz erhöht werden. Als Ergebnis entsteht ein Extrakt, eine Essenz oder eine Tinktur mit hoher Heilkraft auf passender stofflicher Basis. Der Grundgedanke war dabei die drei philosophischen Prinzipien der Alchemie in der Herstellung von Arzneimitteln umzusetzen. Die Prinzipien werden symbolisch Sal, Merkur und Sulfur genannt.

Beim Menschen entsprechen die drei philosophischen Prinzipien folgenden Bereichen:

· „Sal“ = Physis
· „Merkur“ = Vital, Lebenskraft
· „Sulfur“ = Astral, Bauplan

Das spagyrische Arzneimittel muss dem Menschen entsprechen. Es enthält daher drei Bereiche, die die 3 philosophischen Prinzipien darstellen:

· „Sal“ = stoffliche Basis eines Spagyrikums
· „Merkur“ = "anonyme" Heilkraft eines Spagyrikums
· „Sulfur“ = indikationsspezifische Ausrichtung (der Heilkraft)
  eines Spagyrikums

Spagyrische Arzneimittel gibt es als Mono- oder Kombinationspräparate (sogenannte "spagyrische Kombinationsmittel"). Beim Monopräparat ist die Grundlage eine Pflanze, ein Mineral oder ein Metall. Bei den Kombinationspräparaten werden mehrere Ausgangssubstanzen kombiniert – besonders wichtig sind die Pflanzen-Metall-Kombinationen ("Konjugationen"). Die Darreichungsformen sind Tropfen, Tabletten, Kapseln, Linimente, Salben, Sprays und Injektabilia.